Bärenlohn ... e) Berlinerisch

 

Bärenlohn für Eigennutz


Oda wie der Bär jemerkt hat, wie de Zwerje ticken und ihnen det jedankt hat.


Et lebte mal vor langa Zeit ne kleene Zwerjenfamilie jlücklich und zufrieden am Fuß von so’n Kristallberch im Wunderwald. Eenes Tages kam da in dem Wald, wo se wohnten n‘ valetzta Bär vorbei. Die kleenen, murklijen Dreikäsehochs von Zwerje hatten total Schiss vor dem riesijen Bären. Aber bald merkten se, dat der viel zu schwach uff de Brust war, ihnen wat anzutun. Deswejen trauten se sich, wenn och mit schlotternde Beene, janz nah an ihn ran. Als se denn alle um ihn rum standen, frachten se ihn: Könn wa dir wat helfen ? Der Bär brummte und brabbelte sich irjendwat in‘ sein Bart, weil er n‘ bisschen sauer uff sich selba war, wejen seine Hilflosichkeit. Een Jäger hatte ihm tüchtich een’s uff’n Pelz jebrannt. Bei jeder Bewejung mussta sich wejen seine jroße Wunde, die nich heilen wollte, uff de Zeene beißen, damit ihm keen „Aua“ rausrutscht und man ihn für ne olle Heulsuse hält. „Ick bin zu schwach zum Jagen“, brummte der Bär, wenn ick nich bald wat zwischen de Kiemen krieje, mach ick n‘ Abjang !“ Die Zwerje steckten de Köppe zusammen und berieten sich. Denn vaklickerten se dem Meista Petz ihren Entschluss: „Ja, wir werden dir wat zu Mampfen ranschleppen !“ N‘ paar vonne kleenen Knirpse angelten ihm Fische, die andern ruppten sämtliche Beeren und Früchte von Sträuchern und Bäumen, de übrijen jingen mit de Flinte uff de Jacht, um Hasen, Wiesel und anderet Kleentier für ihn abzumurksen. Aba der Bär, so’n langa Lulatsch, wie er war und deshalb jewohnt, wie `n Scheunendrescha zu spachteln, war von det bisschen, wat ihm die fertich jewachsenen Steppkes ufftischten, kaum satt zu kriejen. Trotzdem war det n‘ für de kleenen Zwerje och so schon ein echta Fullteimschob und brachte se so aus de Puste, dat se ville von die andere Abeit unvarichtet liejenlassen mussten.

Seit irre langen Zeiten schon behüteten de Zwerje so’n Zauber-Nuss-Strauch, an dem alle zehn Jahre joldene Erdnüsse dran wuchsen, wo innen drinne ne Zauberkraft steckt. Wenn eener nich richtich uff‘n Damm war, oda sich irjendwie mickrich fühlte, denn brauchte er och nur eenen vonne Nüsse essen – schon wurda kernjesund und konnte wieder de dicksten Bäume ausreißen. Nu hatten de Zwerje natürlich keen Bock, sone famose Nuss für den dicken Bären zu vaschwenden, weil se nämlich eenerseits jeizich waren und nüscht vonne Ernte abjeben wollten und anderseits och Schiss inne Büchsen bekamen, der zottlije Riese könnte davon so ville Pauer zurückkriejen, dat er se vor Übamut und jeweckten Appetit jleich als Nachspeise vatilgen würde.

Nich zuletzt aus dem Jrunde dauerte et nu nich mehr lange, bis den Zwerjen de Lust vollends vajing, det jefräßije Monsta zu vaköstijen. Dat der Bär endlich ma aus’m Knick kam, sich selba um seine Mahlzeiten zu bemühn, stand nich in Aussicht, er schwächelte noch imma, denn seine Wunde wollte und wollte nich zuheilen. Eener nach’n andern vonne Zwerje weijerte sich, weiter für den Bären zu schindern. „Warum musste der ausjerechnet bei uns antraben?“ frachten se in Raum und meckaten: Wär‘ der uns doch bloß nie unter de Ogen jekommen !“ Am Abend von een so’n Tach, den se von früh bis spät durchjerackert hatten, kluckten se ma wieda alle am Fuss vom Kristallberch zusammen, um de Sachlage zu beschwatzen. Fast alle fanden et anner Zeit, den Bären da hinzuschicken, wo der Feffa wächst und damit war der Obamacka vonne Zwerje defakto och schon beufftracht, den unjeladenen Besuch bekannt zu jeben, dat er ne Mücke machen soll. Wat se bequasselt hatten, wurde also sojleich inne Tat umjesetzt :Der Anführer trabte beim Bären an, um ihm unterzujubeln, dat er ihnen lange jenuch uff de Pelle jesessen und de Haare vom Kopp jefressen habe, sich jetz jefällichst trollen und von andern jutmütijen Trotteln aus de Patsche ziehen lassen solle. Als der Bär det hörte, wurda fuchsteufelswild. Er richtete sich hoch uff und brüllte so laut in‘ Wald rin, dat den kleenen Butzemännern beinahe de Trommelfelle platzten. Noch während er brüllte, vawandelte er sich in `nen furchtbaren Zauberer. Und zwar in den, der den jesamten Wunderwald beherrscht. De Zwerje hatten schon von ihm jehört, ihn aba bisher noch nie zu Jesicht jekricht. „Stimmt det also doch, wat man euch vahutzelten Gnomen nachsacht: Jämmerliche, kleenherzije Schisshasen seita, popelije Erbsenzähler, knauserich bis zum Jehtnichmehr ! Nur eene eenzige, mickrije Joldnuss hätte euch de wochenlange Mühe aspart, den Bären fütternd uffzupäppeln. Als Dank und Ausjleich für eure uffopferungsvolle Fleje sollta euch vonne schwere Arbeit ausruh’n und euren heißjeliebten Joldnüssen, von denen ihr ja so schwer zu trennen ward, nu noch näher komm‘: Näher jeht et nich: Ihr sollt inne Beeren pennen ! Und zwar so lange, bissa Jelejenheit findet, ürjend jemanden mitte Zauberkraft vonne Nüsse zu helfen. Habta dit uff de Reihe jekricht, denn, aba erst denn, is Finito mitten Fluch. Denn vapuffta. Vorher nich ! Damitta aber och eure Joldnüsse an Bedürftije vaschenken könnt, dürfta se alle zehn Jahre n‘ vollen Mond lang valassen, det heißt, in diese Zeitspanne dürfta ausbüchsen. Dem Zauberer war der Fluch kaum vonne Lippen jejangen, da jeriet de vasammelte Zwerjensippschaft och schon in Uffbruchstimmung: So schnell konnste ja nich kieken, wie die sich inne Nüsse vakrochen ham. Bis heute hat man keen Zwerch wieda zu Jesicht jekricht, weil die da imma noch drinne rumlümmeln und wenn doch ma eener den Nussdeckel hebt und rausschlinst, denn nur, um de Lage zu peilen, ob och bloß keener anjelatscht kommt, se von ihre jeliebten Nüsse zu trennen. Ansonsten ratzen n‘ janzen Tach jenüsslich vor sich und ihr schlummerndet Kontafei kannste durch die Nusschale sehn, selbst wenn de Tomaten uff de Ogen hast. Und so lange se da keener rauspolkt, hält der Fluch des Bärenzaubers an ! Basta


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Eigenwilliget Anhängsel vom Berlina Übasetza.

 

Wat will uns det Märchen damit sagen ? Wat lernen wa ? Ne janze Menge ! Et jibt uns Antworten. Will aba nich vorlaut alle vapetzen, müssta selber rauskriejen oda Szintilla fragen…oda den Zauberer oda de Zwerje…Ja – a pro po :Fragen wirft det Märchen och uff, oda ?

 

Zum Beispiel:

Wie lange werden sich de Zwerje – in ihre joldenen Nüsse jefercht - wohlfühlen ?

Dat weeß der Deiwel !

Dem lieben Jott wird et nu nich mehr intrissier’n….

 

 

Wer sich in seine joldne Truhe inschließt,

muss sich nich wundern, wenn keen Leben rinfließt –

keen Leben, wat fürt liebe Brot behende

sich jlücklich regt bis an sein selich Ende




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Lieben Dank an Micha Roschke für die Übertragung des Märchens in den Berliner Dialekt.

Ich finde sie ist genial gelungen. 

Flower4You

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