Reifezeit

Veröffentlicht auf von Szintilla

Birnen auf einem Tischtuch

Birnen auf einem Tischtuch

Reifezeit oder reife Zeit?

An den Bäumen ist Reifezeit, so mancher Apfel- oder Birnbaum ist leer gepflückt, Fallobst liegt herum, um das sich niemand kümmert, die Tierwelt erfreut es.

Ich finde gelegentlich ein paar Birnen auf der Zeitung, die vor der Tür liegt. Morgendlich versüßende Zugabe zur schwer verdaulichen Pressekost. Ich mag die Zeitung schon kaum mehr lesen, Schlagzeilen werden nur überflogen, hier und da bleiben ich an einer kleben und immer häufiger denke ich, ich sollte sie abbestellen, nicht die Schlagzeilen - die Zeitung. Doch neben all dem, was auch online oder via TV zu sehen wäre, würden mir die kleinen regionalen Informationen, die nur mühsam zu recherchieren sind fehlen. Wonach soll ich recherchieren, wenn ich nicht weiß, nach was ich suchen soll? Auch wenn ich auf den kleinen Events fast nirgendwo in persona auftauche, so ist es doch schön um die Lebendigkeit rundherum zu wissen und zu wissen "ich könnte, wenn ich wollte" - meistens will ich aber nicht. All dieses Geschnatter von "haste-du-schon-gehört" und "haste-du-nicht-gesehen" und "weißt-du-schon-dass-dies-oder-das" ermüdet und langweilt mich. Neuigkeiten sind selten wirkliche Neuigkeiten, weil ich sie schon zig mal in anderer ähnlicher Form, in anderen Kleidern gehört habe, nur die Protagonisten wechseln. Etwas an den Tatsachen ändern kann ich in den seltensten Fällen und das Wissen darüber bereichert mich nicht, eher belastet es oft.

Reifezeit oder reife Zeit?

Hat es was mit dem Alter zu tun? Mit Reife? Mit satt und voll von Informationen zu sein? Oder ist die Zeit einfach reif, sich um andere Dinge zu kümmern? Ist es an der Zeit selbst preiszugeben, was sich im Laufe der Lebensjahre an Wissen angesammelt hat? Ich weiß es nicht, was ich aber weiß ist was ich nicht mehr mag. Beispielsweise die gefühlte und zum Ausdruck gebrachte Unzufriedenheit überall. Was ich bei all meinem Bloggestöber und Bloglesen oft wahrnehme ist Unzufriedenheit. Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben, mit dem wie man ist oder eben „leider“ nicht ist, was und wie man gern wäre, aber nicht ist, Unzufriedenheit mit dem Leben wie es sich zeigt, mit der Gesellschaft im Großen und Kleinen und mit dem allgemeinen Weltgeschehen. Ehrlich gesagt, ich mag auch das nicht mehr hören und lesen.

Es liegt einzig allein an und in uns, wie wir die Welt wahrnehmen wollen. Darauf wo unser Fokus liegt, DAS werden wir wahrnehmen, den Sender, den wir im Radio einstellen, werden wir zu hören bekommen und genau DEN und keinen anderen. Gehe ich also davon aus, ich bin nicht in Ordnung, werde ich Unmengen von Unzulänglichkeiten finden, die behoben werden "müssen“, damit ich glaube gesellschaftskonform zu werden. Begreife ich mich als vollkommenes Individuum, dass es eben in seiner Atomanordnung nur einmal so auf der Welt gibt, bin ich vollkommen so wie ich bin. Glaube ich die Welt ist schlecht, werde ich die Bestätigung dafür bekommen, gehe ich davon aus die Welt ist gut, so werde ich all das Gute erkennen und glauben genauso ist die Welt. Die Welt, der Mensch ist aber weder so, noch so. Weder ist alles vollkommen in Ordnung, noch ist alles total aus dem Lot. Es existiert immer beides. Es hat immer beides existiert und es wird immer beides existieren, weil wir in einer dualen Welt leben, die gar nicht anders kann, als uns immer beide Extreme zu zeigen. Tag und Nacht, hell und dunkel, schwarz und weiß, gut und böse. An mir und an meiner Bewertung liegt es nun, wo ich was einordne. Auch all das Dunkle, das es gibt, hat seinen Sinn, indem es uns aufzeigt, was zu ändern ist. Es sind genau solche Zeiten, die Erkenntnisse bringen, die uns in eine andere Richtung bringen, die Zeiten, in denen Paradigmenwechsel stattfinden. Der Mensch ist genau so gestrickt, dass er nur etwas verändert, wenn er muss, wenn er dazu gezwungen wird, denn er ist träge, alles dauert seine Zeit.

Was passiert, wenn ich eine negative Sichtweise einmal in Frage stelle? Wenn ich davon ausgehe, dass alles genau andersherum ist, als ich es sehe. Wenn ich die Möglichkeit zulasse, dass meine Sicht der Welt vielleicht falsch ist. Wir ändern die Welt um uns herum nicht, in dem wir ihren Zustand oder die Situation in der wir leben wiederholt beklagen. Was wir ändern können liegt nur in uns, wir können unsere Bewertung ändern oder das Bewerten am besten gleich ganz sein lassen. Dinge sind wie sie sind – Punkt. Und nun können wir uns fragen: Wie will ich damit umgehen? Kann, muss, will ich daran etwas ändern? Wenn ich etwas ändern kann/will oder glaube zu müssen, dann was? Oder kann ich es einfach sein/dasein lassen?

Was würde passieren, wenn wir aufhören würden negativer Energie immer weiter negative Energie zuzuführen? Wenn ich aufhöre etwas in ein Fass reinzuschütten, wird es nicht voller, oder? Das was drin ist, wird mit der Zeit verdunsten, sich auflösen … Wenn ich aufhöre, negativ zu denken, entziehe ich dem Dunklen den Raum in dem es existieren kann … Und wenn das jeder täte …, es lohnen sich sicher ein paar Gedanken daran/darüber.

Ich kann mich darüber freuen, dass die Zeit reif ist für die Ernte und all ihre Süße die sie mir bietet genießen, ich kann aber auch jammern und wehklagen, dass nun die dunkle Zeit mit großen Schritten heran eilt. Die Zeit ist reif für das Wissen beides begrüßen zu können, denn es geht das Eine nicht ohne das Andere ...

 

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Gabriela 09/08/2016 12:40

Das hast du sehr gut ausgedrückt, ich stimme dir vollkommen zu.Ich hätte viel zu klagen, aber meine Sichtweise der Dinge erlaubt mir, mich an vielerlei zu erfreuen.
In meinem Kalender steht gerade:
Optimisten wandeln auf der Wolke unter der die Pessimisten Trübsal blasen.
Ich wünsche dir - und heute ganz besonders- dass du noch viel zu ernten bekommst und die Süsse der Früchte weiterhin zu schätzen weißt. Möge es dir gut ergehen und dein Blick auf die Welt so klar bleiben.
Alles Gute für dich
herzlichst
Gabriela Fuchs

Szintilla 09/08/2016 14:36

Liebe Gabriela,

schön wieder einmal etwas von dir zu lesen. Ich danke dir für dein zustimmendes feedback und schütte gleichzeitig Asche auf mein Haupt, weil ich dir auf deinen Jahresbrief noch nicht geantwortet habe und nun ist schon September ... :-(
1000 Ausreden könnte ich finden und keine ist wirklich etwas wert. Wer will, der kann ...
Auch ich hätte einiges zu bejammern, aber ändert das etwas? Nein.

Im Netz habe ich dich schon gesucht, aber seit du den Mühlenblog nicht mehr schreibst, fand ich dich nirgendwo.
Ich werde mir mal ein dickes Kreuz in meinen Kalender machen und dir dann mal wieder schreiben, versprochen. :-)

Danke für deine lieben Wünsche, die ich auch genauso an dich weitergebe,
auch für dich alles Liebe und Gute
herzliche Grüße,
Szintilla