Ganzjährige Vogelfütterung

Veröffentlicht auf von Szintilla

Sperling am Meisenknödel

Sperling am Meisenknödel

Laut Informationen von Prof. Dr. Peter Berthold hat die Menge unserer Vögel seit 1800 bis heute um 80% abgenommen, denselben Rückgang haben wir in den letzten 30 Jahren bei den Insekten geschafft. Zurück zu führen ist das auf unsere Monokulturen und allgemeinen Lebensbedingungen.
Dazu führt er das Beispiel eines Weizenfeldes an, das in den 50-iger Jahren noch voll mit Korn- und Mohnblumen, sowie mit Stiefmütterchen und ca. 200 anderen Wildkräutern war. Damals nahmen 5% der Fläche des Weizenfeldes demzufolge Wildkräuter ein die jede Menge Samen produzierten. Er rechnete das hoch auf alle Weizenfelder in Deutschland und kam so zu einer Menge von 1000 Tonnen Körnerfutter - nur allein von Weizenfeldern - die unseren Vögeln heute fehlen. Dazu kommen noch die anderen Felder und Wiesen und Ackerrandflächen, die damals anders behandelt wurden als heute.
Wenn wir uns das veranschaulichen, ist klar, warum wir heute viel weniger Vögel und Insekten haben.
Aus meinen ersten Autofahrjahren weiß ich noch, dass es kaum einen Ausflug gab, auf dem nicht zwischendurch die Windschutzscheibe geputzt werden musste, weil Insekten drauf klebten, ganz zu schweigen von der Säuberung des Kühlergrills nach so einer Landpartie. Abends schwirrten hunderte von Insekten um die Straßenlaternen. Heute kann ich kilometerweit fahren und es klebt kaum ein Insekt an der Frontscheibe; Insekten nachts an der Laterne kann ich an zehn Fingern abzählen, wenn ich überhaupt welche sehe.
Es gilt einen Ausgleich zu schaffen und der ist nicht damit getan die Vögel  nur während des Winters füttern. Grade im Frühjahr wird von den Vögeln zur Brut- und Aufzuchtzeit eine Menge Energie benötigt, das heißt es wird auch mehr Vogelfutter gebraucht, als sie in unseren Monokulturen und in unseren Wildkräuter bereinigten Gärten finden.
Deshalb ist es sinnvoll ihnen ganzjährig, zumindest bis nach der Aufzuchtzeit, Futter anzubieten, denn der Mensch hat durch sein Verhalten für diese Verluste in der Tierwelt gesorgt. Jeder der einen kleinen Balkon oder Garten hat, kann auf diese Weise etwas für den Tierschutz tun und einen Beitrag zur Artenvielfalt und zur Arterhaltung leisten.
 
Ein sehr lesenswertes Interview mit Prof. Dr. Peter Berthold ist HIER zu finden.

Auf den Fotos ist oben ein Sperling und unten vermutlich eine Singdrossel zu sehen, aber genau klassifizieren kann ich sie nicht, weil es nur kleine Unterschiede zur Wacholder- und Misteldrossel gibt. Es könnte durchaus auch eine Mistel- oder Wacholderdrossel sein.

vermutlich eine Singdrosselvermutlich eine Singdrossel
vermutlich eine Singdrossel

vermutlich eine Singdrossel

Veröffentlicht in Tierwelt, VGW

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Quer 04/05/2018 19:39

Diese Aspekte könnte man ja mal erwägen. Bei uns wird eigentlich nur bei hart gefrorenem Boden zugefüttert. Aber wer weiss, vielleicht müssen wir langsam umdenken...
Lieben Gruss,
Brigitte

Szintilla 04/05/2018 21:34

So habe ich das früher auch gemacht, nur im Winter gefüttert, aber als ich diese Argumente von Prof. Dr. Berthold hörte, waren sie absolut schlüssig für mich.
Überdenkenswert ist die Ganzjahresfütterung in jeden Fall.

Liebe Grüße,
Szintilla