Montagsfragen
Seit dem Sommer vergangenen Jahres treibt es mich gelegentlich in das Herz des Ruhrgebiets. Es ist jedes Mal ein kleines Abenteuer. :-)
Ohne Anlass und ohne Grund zöge mich nichts dorthin. Als Großstadtkind aufgewachsen, durchaus vertraut mit Menschenmassen, Gewimmel, Gewusel, lebendigem Durcheinander auf den Straßen, sollte mir das alles nicht fremd sein.
Ich stelle immer wieder fest - ich mag es nicht mehr. Ich fühle mich zunehmend überfordert von all den Eindrücken und Reizen, Lichtreklamen, den Glitzerkramsonderangeboten in Läden an allen und in allen Ecken. Von Öffnungszeiten (auch von Bekleidungsgeschäften) bis nachts um Mitternacht hörte ich ...
Muss das sein?
Wer bitte denkt an die Menschen, die dort zum Broterwerb stehen müssen?
Ist es nicht schon genug, dass es Branchen gibt, die Schichtdienst zum Wohle der Menschen machen müssen, wie Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger, Taxifahrer, Bäcker, die in aller Herrgottsfrühe für unsere frischen Brötchen sorgen?
Brauchen wir wirklich das Opfer der Nachtruhe einiger Menschen, um uns neu einzukleiden?
Wem bitte fällt mitten in der Nacht ein sich neue Garderobe zuzulegen? Vielleicht eine schicke Designer Jeans?
Es sei denn es handelt sich um einen außergewöhnlichen Notfall, von dem so ein Geschäft aber kaum überleben kann. Zwar ist es schön und bequem alle Angebote in greifbarer Nähe und zu jeder Zeit zu haben, schnell hierhin und dorthin zu gelangen, aber würde ich es nutzen, wenn ich es könnte?
Wohl kaum. Ebensowenig wie es mich jetzt drängt mich nächtens neu einzukleiden oder Fehlendes für den Kühlschrank zu besorgen (das ist seit Jahren durchorganisiert und was ich nicht habe brauche ich schlichtweg nicht, dann wird umdisponiert), würde es mich mitten in der Großstadt dazu treiben.
Zugeben muss ich allerdings, dass es in so einer lebendigen Großstatdmetropole vielfältiges Futter für Gedankenspielerien gibt, Denkanstöße, Schmunzelbilder ...
So wie dieses.
Diese einsame Jeans auf der Bank begegnete mir an einer Bushaltestelle.
Wie kam sie dorthin?
Wem kam sie abhanden?
Liegt hier ein mitternächtlicher Notfall zugrunde, der die Öffnung der Bekleidungsgeschäfte bis Mitternacht rechtfertigt? Zweifelsohne hat sie einiges hinter sich so wie sie aussieht. Sicher könnte sie Geschichten erzählen ...
Also wer hat sie dort deponiert?


