Wohnwandaufbau zum Vierten...

Veröffentlicht auf von Szintilla

 

Das Schweben, von dem ich im voran gegangenen Artikel schrieb, verging mir heute ziemlich schnell. Die Konfrontation mit Unwissen und Inkompetenz erhöhte die Erdanziehung ganz enorm. Ich hätte mich am liebsten verzweifelt auf dem Boden gewälzt.


Vier Wochen haben wir nun auf das/die Ersatzteil/e der Möbellieferung gewartet. Vor ein paar Tagen kam der Anruf: "Das Teil ist jetzt da, sie können es abholen!" Juchhu. Der Transport wurde organisiert was allerdings auch nicht so ganz einfach war.

Endlich im Möbelladen, schnell an die Kasse, mal eben ruck-zuck einen Retourenschein- und einen Abholschein ausdrucken lassen..., denkste. "Damit müssen sie in die Abteilung.", wird mir gesagt. Also gut, ab in die Abteilung..., kein/e VerkäuferIn weit und breit, dann endlich.... Ich erkläre meinen Wunsch, Antwort: "Das tut mir leid, dafür bin ich nicht zuständig, das macht der Abteilungsleiter. Ich gehe ihn holen." Ich warte, fünf Minuten, zehn Minuten. Niemand lässt sich blicken, schließlich kommt eine junge Dame: "Kann ich ihnen helfen?" "Nein danke, mir ist nicht zu helfen!", denke ich. *grummel*  Ich erkläre erneut mein Problem und das ich auf den Abteilungsleiter warte. "Aber der ist doch gar nicht im Haus!", kriege ich zu hören, "Ich hole ihnen die Stellvertretung!", sagts und verschwindet. Na, super. Kurz drauf kommt Dame Nr. Eins wieder, um mir mitzuteilen der Abteilungsleiter wäre leider gerade außer Haus, ich erkläre ihr den letzten Stand der Dinge und das Dame Nr. Zwei bereits auf der Suche nach der Stellvertretung sei. Die wird inzwischen ausgerufen. Warten. Fünf Minuten. Zehn Minuten. Ein zweites Mal wird ausgerufen, nichts tut sich. Zwei ratlose Verkäuferinnen stehen mir gegenüber und rufen aus Langeweile meinen Vorgang im PC auf und machen sich schlau, versuchen es zumindest. Dann taucht die Stellvertretung auf, hat nichts gehört, war im Lager, angeblich ist Inventur..   Ich erinnere mich an meine eigene Verkäuferinnenzeit vor ewigen Jahren und an das was im Lager so alles stattfand (außerhalb der Inventur) und muss innerlich grinsen.    Aber ernsthaft, ich bin ja sauer, grinsen passt da nicht ins Bild. Weiterhin tiefes Brüten über dem PC, auseinander klamüsern meines Vorgangs, nachvollziehen von Telefonnotizen, wann, mit wem, weshalb und warum, kurze Zwischenfragen, dann die Aussage: "Das tut mir leid, ihr Ersatzteil ist noch nicht gekommen. Lieferung erst in der 23 KW." Ah ja! Ich kläre wieder auf, dass mich Frau Sowieso doch angerufen hätte das Teil wäre bereits da und könne von mir abgeholt werden, wir hatten sogar ein max. Abholdatum, nämlich bis Ende dieser Woche (23 KW) ausgemacht. Wieder tiefsinniges Brüten über dem PC, plötzlich der Ausruf: "Ja ja, jetzt seh ich es, da steht es, sie sprachen mit Frau XY! Gut, dann ist ja alles klar. Dann gehen sie jetzt zur Kasse, dort lassen sie sich einen Retourenschein und einen Abholschein ausdrucken und damit gehen sie dann zur Warenausgabe." Ich bin nah dran in eine Tischkante zu beißen, leider stehe ich zwischen Polstermöbeln, das war doch genau das was ich vor 40 Minuten schon vorhatte.   Ich dackel entnervt zur Kasse, neuer Versuch. Das klappt, oh Wunder, plötzlich ganz schnell, abgesehen davon, dass ich drei Leute mit tausend einzelnen Kleinteilen, die allesamt eingescannt werden müssen, vor mir hatte. In der Zwischenzeit hat sich meine freundliche Transporthilfe, die schon seit über einer halben Stunde an der Warenausgabe mit dem zu retournierenden Teil wartete, auf die Suche nach mir gemacht. Hätte ja sein können ich wäre zwischenzeitlich vom Erdboden verschluckt worden. Kommt durch die Tür an die Kasse und ich bin "fertig", nehme gerade die Ausdrucke in Empfang. Ein kurzer Versuch von mir die Verzögerung zu erklären, der darauf folgende Kommentar: "Siehst du, schon komm ich und es klappt!", gibt mir den Rest. Männer! Warum kam er dann nicht eher?

Nächste Etappe, Warenausgabe. Wir klingeln, niemand kommt. Fünf Minuten. Zehn Minuten. Dann endlich, ein fröhlicher junger Mann schiebt ein Paket in unsere Richtung. Mein Gesichtsausdruck entgleiste ein wenig. Das Paket konnte unmöglich das fehlende Teil sein, viel zu klein..., so was hatte ich schon. Ich erkläre meine Zweifel an der Richtigkeit und wir stellen fest er brachte genau das Teil das ich retournieren wollte, nämlich das, welches ich ohnehin schon doppelt hatte. Ich erkläre ein weiteres mal was mir zu meinem Glück fehlt nämlich zwei hohe Seitenteile (im Fachjargon: die Barschränke mit Vitrine) und kein Medienteil. Zeige meine Zeichnung um es zu verdeutlichen. "Schöne Zeichnung haben sie gemacht.", bemerkte der junge Mann. Na, das war meine leichteste Übung, schwieriger scheint die Kommunikation zu sein. Also schiebt er mit dem falschen Teil ab und verspricht die richtigen zu suchen. Warten.... Ich mag nicht auf die Uhr gucken..., ich wollte ja 'nur mal eben schnell', das falsche Teil wegbringen und das richtige mitnehmen... Ich hätte ja Zeit, aber ich bin ja nicht allein, das macht mich nur noch nervöser.

Wieder warten. In der Vorhalle der Warenausgabe stehen Automaten, man bekommt Kaffee und Hühnersuppe. Denken ans Mittagessen... Hier? - Lecker, Automaten-Hühnersuppe, mit einer Auswahl an Kaffee und Limonade...? Dann kommt jemand mit einem Wagen, wieder ein Paket, aber nicht für uns.., nochmal warten, dann endlich. Oh ja, was jetzt auf dem Wagen liegt sieht besser aus..., die Größe könnte stimmen. Auftragsvergleich, Frage: "Wie viele Teile haben sie denn damals (vor vier Wochen) bekommen?" "Vier von vier. Paket drei von vier war doppelt und eins von vier fehlte!" Mittlerweile klappt die Verständigung, ich hab meine Wortwahl an den Fachjargon angepasst." "Das stimmte dann aber von Anfang an nicht. Die Anbauwand besteht aus fünf Paketen. Welche Aufkleber hatten die denn?" Ich erkläre: "Keine Aufkleber, auf den Paketen war handschriftlich die Stückzahl und welches der Pakete es war, vermerkt!" "Na, dann wundert mich nix mehr!", meint der junge Mann auch schon sichtlich genervt. Um ein Haar hätte ich zu den zwei fehlenden Seitenteilen nun auch noch den Schubladenunterschrank ein weiteres Mal mitnehmen können."Himmel hilf, lass Hirn regnen!", schicke ich einen Stoßseufzer zum Himmel. Ich trete inzwischen wie ein nervöser Tiger von auf einem Bein aufs Andere. Dann endlich sind die beiden fehlenden Teile im Auto und wir können fahren. Eineinhalb Stunde für ein Austauschen eines falsch gelieferten Teiles. Nun liegen die beiden Pakete hier und warten darauf, den Inhalt in Augenschein zu nehmen. Der Aufbau soll dann später im Laufe des Tages stattfinden, dem ist aber erst mal nicht so, denn....den Paketen liegt keine einzige Schraube bei. Interessant. Ein Möbelstück ohne Dübel, Holzkleber, Schrauben und Scharniere? Sehr futuristisch, zukunftsweisend, selbsttätig aneinanderpappend? Ein Griff zum Telefonhörer, der zweite zur Rechnung und leicht kratzfüßig schnaubend durchstellen lassen zur Abteilung. Man gibt sich kundenfreundlich, serviceorientiert. Alles kein Problem, man ruft in der Warenausgabe an, ich soll vorbeikommen und die Schrauben einfach abholen. Einfach abholen? Ich ahne Schreckliches, schwinge mich ins Auto, düse zum Möbelmarkt. Der nette junge Mann von mittags, eilt mir entgegen, drückt mir ein riesen Paket Schrauben und sonstiges Gedöns in die Hand, zwinkert mir zu und sagt: "Einmal alles komplett, nehmen sie ruhig alles mit!" Ich frage: "Ist das wirklich alles? Ist da alles drin?" Ich weiß ich wiederhole mich, aber sicher ist sicher. "Ja, da haben sie jetzt alles was sie zum Zusammenschrauben brauchen!" Artig bedanke ich mich und ziehe aufatmend von dannen. Zehn Minuten bevor ich zu Hause vor die Tür rolle, klingelt mein Handy..., dran ist mein Sohnemann, der in meiner Abwesenheit festgestellt hat, das außer den Schrauben auch sämtliche Griffe fehlen. Gut das ich mitten auf der Landstraße mutterseelen allein fahre, denn vor Schreck trete ich notfallmäßig auf die Bremse. Schön, dass ich das nun auch mal geübt habe.  Ich fahre an den Straßenrand, fummle das "Komplettpaket" auseinander, suche nach Griffen. Fehlanzeige. Mühsam bewahre ich die Fassung, um nicht auf der Straße auszuflippen, steige wieder ein, wende, rolle ohne Umwege über Kasse oder die Abteilung, wieder vor die Warenausgabe. Niemand da, ich klingle, der junge Mann kommt sieht mich und dreht auf dem Absatz gleich wieder um. "Na toll,", denke ich, "der hat auch den Kaffee auf." Als er wieder erscheint hat er ein weiteres "Komplettpaket" unterm Arm: "Ich dachte mir schon das auch die Griffe fehlen."   Super, bei so viel Weitsicht werde ich ihn zur Beförderung vorschlagen. "Ich hab ihnen jetzt alles gegeben was dazu gehört, wenn noch was fehlt, dann weiß ich auch nicht...!" Ich schleppe vier Tüten Dübel, Kleber, Schrauben, Scharniere, Griffe, Laufleisten und Füße nach Hause.



Inzwischen schraubt, dübelt und klebt der Sohnemann Bretter aneinander. Sicher ist, dass wir jetzt mehr als genug Griffe und Schrauben haben, so dass wir an alles was wir wegwerfen wollen oder müssen einen Griff zum Wegwerfen anschrauben können. Sicher ist auch, dass ich in diesem Möbelhaus nie wieder etwas kaufen werde das aus mehreren Teilen besteht und zusammengebaut werden muss. Ich hoffe nur, das ich jetzt wirklich alles komplett habe. Und wenn jetzt irgendjemand auf die Idee kommt, dass es für die lange Wartezeit oder die sinnlose Fahrerei eine Kulanzentschädigung gegeben hätte - dem ist nicht so, denn die Möbelpreise sind ja schon soooo knapp kalkuliert.


Vier Wochen leben im Chaoszimmer, mit einem halben Schrank, gehen nun dem Ende entgegen. Dann hat das Grabbeln und Kramen in Pappkartons und Kisten ein Ende, die Klamottenberge dürfen abgetragen und die Einzelteile verstaut werden und endlich, endlich wird es wieder ordentlich und übersichtlich. Kein Suchen, Fluchen und genervtes Aufgeben mehr. Lang genug hat das Mal-eben-einen-neuen-Schrank-kaufen gedauert. Es heißt ja "Gut Ding will Weile haben". Weile hat es genug gehabt, jetzt muss sich noch zeigen, ob es auch ein "Gut Ding" ist.

An dieser Stelle ein ganz liebes Dankeschön an die helfenden Hände, die beim Transport kräftigt mit zugriffen und ohne die es ein noch viel größeres Abenteuer geworden wäre. Wir feiern Einweihung versprochen.

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Veröffentlicht in Allerlei

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S
Liebe Szintilla,<br /> <br /> das ist mehr als heftig wirklich... drück euch die Daumen, das alles passt ;-)... liebe Grüessli, Sichtwiese
Antworten
S
<br /> Liebe Sichtwiese, es hatte leider noch nicht alles gepasst, aber so wie es aussieht geht das Drama endlich dem Ende entgegen. Dank dir für das Daumendrücken. :-)) Liebe Grüße, Szintilla<br /> <br /> <br />