Berührungen
Eine Begegnung am Wochenende war alles andere als amüsant und liebend gern hätte ich die Flucht ergriffen, um nicht mehr zuhören zu müssen. Leider geht das nicht immer.
Im Nachhinein fiel mir auf, dass das was mich so aufregte, ein Teil von mir selbst war. Was mir bei der Begegnung geballt entgegenschlug war etwas das ich nicht kann, was mir fehlt, wo ich ein Defizit lebe, das ausgeglichen sein will. Die Erkenntnis hat mich tief berührt.
Was wäre, wenn wir jeden Menschen dem wir begegnen, und der in uns etwas auslöst (egal ob positiv oder negativ), als Überbringer einer verschlüsselten Botschaft sehen könnten. Ein Geschenk, das man uns macht, das wir auspacken und und ansehen müssen, bis wir verstehen was es uns sagen will. Vielleicht muss man es lange drehen und wenden, vielleicht eine Weile zur Seite legen, drüber schlafen.
Ich bin sicher, wir werden das was uns berührt, aufrührt, anrührt immer als gegenteiligen Aspekt in uns finden, als einen Teil in uns der nicht ausgeglichen ist.
Regt uns aufdringliches Mitteilungsbedürfnis auf, reden wir vielleicht zu wenig?
Regt uns ständige Unpünktlichkeit auf, sind wir vielleicht zu perfektionistisch?
Finden wir jemanden zu langweilig, sind wir vielleicht zu überdreht?
Geht uns permanentes Gekicher auf den Wecker, lachen wir vielleicht zu wenig?
Ist uns jemand zu oberflächlich, nehmen wir vielleicht alles zu schwer?
Zumindest ist es eine Überlegung wert, ob das was mich berührt, in mir bearbeitet sein will.