Von Schwarzflüglern und Thunfischkeksen
"Von Schwarzflüglern und Thunfischkeksen" ein eigenwilliger Titel für einen Blogeintrag zum ersten Advent, geplant war etwas ganz anderes. Nichtsdestotrotz wünsche ich all meinen Lesern einen schönen ersten Adventssonntag.
Hier sollte heute eine Adventsgeschichte stehen, wäre mir da nicht etwas dazwischen gekommen, nämlich das Schreiben einer ganz anderen Geschichte. In der Wauzelwelt gibt es noch bis Ende des Monats einen kleinen Geschichten-Wettbewerb. Ziel: Einen kreativen Text stricken, in der folgende 7 Begriffe vorkommen.
‘Rabenschnabelbein’
‘Speiche’
‘Schnee’
‘Sägezahnmuskel’
‘Kräuterspirale’
‘Mona und Holmes’
‘Umdreher’
Untergebracht habe ich alle sieben Begriffe, nicht alle ihrem eigentlichen Sinn entsprechend. Ob mir die Geschichte gelungen ist, das zu beurteilen überlasse ich den Lesern.
Hier melden sich also nun zwei Wauzels zu Wort und das auf einem Blog, in dem sonst üblicherweise Katzen eine Plattform haben.
Adventliches Kekstheater
Mona und Holmes drückten sich ihre feuchten Nasen an der Terrassentür platt, als es begann zu schneien. Sanft fielen die weißen Sternchen vom Himmel und setzten sich auf die Kräuterspirale. Es dauerte nicht lang bis der Schnee eine Märchenlandschaft zauberte."Wuff, wie gern wäre ich jetzt da draußen!", wuffte Holmes.
"Wau, nicht nur du. Was denkst, du wie gern ich dich zehnmal um das spiralige Schnüffelduftdings jagen
würde?", fragte Mona.
"Träum weiter, is nix mit jagen, wuff, wuff!", brummelte Holmes und zwickte Mona ins Ohr. Mit einem kehligen Grollen und einem Seufzer, ließ Mona sich auf den Boden plumpsen. Sehnsüchtig blickte sie nach draußen, während ihr heißer Atem an der Scheibe niederschlug.
"Hey, guck mal da, was da sitzt!", bellte Holmes nach einer Weile wie elektrisiert.
"Wuff! Was? Wo? Wau!", fragte Mona und sprang so aufgeregt hoch, dass ihre Ohren flogen.
"Dort! Da oben, in der Baumkrone!" erwiderte Holmes und zog mit der feuchten Nase eine richtungsanzeigende Spur auf die Glasscheibe. Monas Blick und Nase folgten der Spur und da sah sie ihn auch. Jetzt war sie völlig aus dem Häuschen. Ein Schwarzflügler. Herr Rabenschnabelbein thronte auf einem ausladenen Ast und beäugte kritisch, mit schief gelegtem Kopf und flinken Augen, die Umgebung. Er war Späher der Schwarzfedersippe, die von Zeit zu Zeit zum großen Spektakel einen Sammelplatz suchten. Die weiße unberührte Schneelandschaft versprach gut geeignet zu sein und er schickte sich an die Terrasse näher zu erkunden. Er spreizte seine Flügel und segelte an die Terrasse heran. Das war zu viel, zu nah und überhaupt, was bildet sich dieses Federtier ein?Mona und Holmes schlugen Alarm.
"Grr-uff, Grr-uff! Was will dieser Schwarzflügler hier?", stieß Holmes zwischen zwei Grummlern hervor.
"Wau, wau, warte, den krieg ich!" bellte Mona.
"Was? Du? Nein ich! Ich hab ihn zuerst gesehen! Grrrr-uff-ruff!"
"Wau, ich bin aber schneller!"
"Grr-uff, das werden wir noch sehen!"
Vergessen war Herr Rabenschnabelbein, dafür war die größte Rauferei im Gange. Die beiden waren so vertieft in ihr Gerangel, dass sie gar nicht mitbekamen, dass Herr Rabenschnabelbein wegen des Lärm längst die Flucht ergriffen hatte.
"Jetzt hör schon auf, sonst leg ich dich gleich mit einem gekonnten Umdreher auf den Rücken!" brummte Holmes genervt.
"Dann spürst du aber meinen Sägezahnmuskel, der ist super durchtrainiert!"
Um des Friedens Willen gab Holmes einlenkend nach: "Wo ist der gefiederte Kerl?"
"Weg! Wuff! Na, toll! Hast du ja prima hingekriegt.", nörgelte Mona.
"Ich, wieso ich?"
"Du hast wieder Recht haben wollen!"
Holmes schüttelte heftig den Kopf und stieß dabei wieder mit der feuchten Nase an die Scheibe. Inzwischen war aus der durchsichtigen Glasscheibe der Terrassentür, ein milchiggrauer Schlachtplan geworden, auf dem die Taktik des Manövers: "Feind in die Flucht schlagen" gut abzulesen war. Mona bemerkte die vernebelte Sicht nach draußen und sah Holmes schuldbewusst an.
"Duhuu, Holmes."
"Wau, was?"
"Guck mal, was wir hier auf die Scheibe gemalt haben! Meinst du wir kriegen trotzdem heute Thunfischkekse? Heute ist doch erster Advent."
Holmes leckte sich bei dem Wort Thunfischkekse genüßlich über die Lefzen.
"Wuff, ich denke nicht.Wuff, wuff! Wenn Frauchen ihre Elle wieder solange schwingen muss bis die Speiche
schmerzt, um wieder vollen Durchblick zu haben, hat es sich für uns ausgekekst! Wau!"
"Und jetzt?"schmollte Mona. "Sauberschlecken!?"
"Nee, klarer Fall von Theater-Vorstellung, vorgetragener Einakter: Zwei Unschuldslämmer!", schlug Holmes vor.
"Wau, wir legen uns in die Küche und bewachen den Kühlschrank, dann können wir das hier ja nicht gewesen sein."
"Gute Idee!", bellte Mona. Mit einem zärtlichen Knuffen, Zwicken und Drängeln trabten beide in die Küche und belagerten den Kühlschrank, die Mission: Thunfischkekse bewachen - eine hoch verantwortungsvolle Aufgabe, die natürlich die volle Aufmerksamkeit erforderte und keine Zeit ließ Herrn Rabenschnabelbein oder andere Schwarzflügler zu jagen.
Und wenn die Beiden heute noch keine Advents-Thunfischkekse bekommen habe, dann liegen die Unschuldslämmer wohl immer noch in der Küche vor dem Kühlschrank.