Der rot-blau-weiße Schabernack

Veröffentlicht auf von Szintilla

Der rot-blau-weiße Schabernack
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Gelangweilt saß Ella Rubinia nahe am Stamm auf dem Eichenast. Nicht einmal so groß wie eine große Libelle war sie, die rote Farbelfe. Sie schaute in den kornblumenblauen Himmel und versuchte in den wenigen weißen Wolken Formen zu erkennen. War dort nicht ein Hund zu sehen oder ein gewaltiger Bär? Völlig ungestört konnte sie ihrer Träumerei nachgehen, denn, obwohl ihre leuchtend roten Flügel sich vom grünen Eichenlaub und vom Braun der der tiefgefurchten Eichenrinde sehr abhoben, war sie kaum zu sehen. Klein sein ist manchmal von Vorteil.

Ein gleichmäßiges Plopp-Plopp-Plopp störte ihre Ruhe und sie sah sich um, was so einen Lärm verursachte. Der Lärm war das leise Ploppen von winzig kleinen Kieselsteinchen, die in den plätschernden Murmelbach geworfen wurden. Elfenohren hören auch das leiseste Geräusch, sie sind viel feiner als Menschenohren. Ella flog vom Ast hinunter, um nachzusehen wer für den Lärm in ihren Ohren verantwortlich war. „Hallo, Filip!“, begrüßte sie den blauen Cyanokobold, der die Kieselsteinchen warf. Erschrocken drehte er sich um, denn er hatte Ellla nicht gehört. Seine Ohren waren längst nicht so fein. „Hallo Ella, hast du mich erschreckt.“ „Ach ja? Was machst du hier, Fische erschrecken?“ „Nein, ich vertreibe mir nur die Wartezeit bis Sander kommt.“ „Sander Witten, der Weißkobold?“, staunte Ella. „Ja, Sander und ich wollten ein wenig schabernacken.“ „Was auch sonst!“, lachte die Elfe. „Habt ihr noch Platz für mich? Ich würde euch gern begleiten und aufpassen, dass ihr nicht wieder mehr als ein bisschen kobolzt!“ „Klar, wenn du Lust hast.“ „Aber immer!“, freute sich Ella.

Sie warteten gemeinsam auf Sander, ließen sich vom Wind die Haare verstrubbeln, die Sonne auf den Bauch scheinen und den einzigartigen Duft der blühenden Kamille in die Nase wehen. Gerade in dem Moment als eine Bachstelze auf einem nahen Stein landete und mit ihrem Schwanz auf und ab wippte, sahen die Beiden eine weiße Margerite den Bach hinuntertreiben. Mitten auf der Blüte stand Sander mit einem langen Stecken in der Hand. Mit ihm steuerte er sein Blütenboot. Wieselflink lenkte er die Blüte an einer Stromschnelle vorbei ans Ufer und sprang neben Filip und Ella ins Gras. „Na, ihr Zwei, wartet ihr schon lange? Ich wusste gar nicht, dass du auch da sein würdest, Ella.“ „Das wusste ich bis vor kurzer Zeit auch nicht. Es ergab sich zufällig. Was habt ihr denn vor?“ Wir wollten zur alten Edda, das macht immer Spaß.“ „Dann mal los!“, sagte Ella und die Drei stapften fröhlich schwatzend durch die buntblühende Wiese. Sie hatten sich viel zu erzählen.

Ella, Filip und Sander waren schon lange gute Freunde und das, obwohl sie völlig unterschiedlich waren. Ella Rubinia war ein rote Farbelfe. Sie hatte vier rote Flügel und konnte damit fliegen wie ein Schmetterling. Außerdem besaßen Farbelfen Zaubersalz mit dem sie Dinge aller Art, und auch sich selbst, blitzschnell von einem zum anderen Ort bewegen konnte. Filip Cyano, war ein Farbkobold. Er war durchweg blau, von Kopf bis Fuß. Wo immer etwas blau war, der Himmel oder das Wasser, aber auch blau gestrichene Bänke oder Häuserfassaden, dort verschmolz er fast mit dem Gegenstand, so dass man Filip nicht mehr wahrnehmen konnte. War nichts Blaues in der Nähe, konnte Filip mit gewaltiger Sprungkraft, wie ein Frosch, weghüpfen und sich verstecken. Sander Witten, der Weißkobold, hatte es am schwersten sich zu verstecken. Wo immer Weißkobolde auftauchten, sah man sie als hellen, weißen Lichtreflex. In der Ferne war das nicht schlimm, aber wenn man näher kam konnte man ihn überall erkennen. Kobolde wollen aber nicht gesehen werden, deshalb haben sie alle ganz besondere Fähigkeiten um das zu verhindern. Sander konnte sich durchsichtig machen. Wann immer er unentdeckt bleiben wollte, wurde er durchsichtig wie Glas. Man sah einfach durch ihn hindurch. Das war eine wirklich beeindruckende Fähigkeit.Tarnkappenmodus nannte er das. Die Drei nutzen ihre Fähigkeiten manchmal um den Menschen harmlose Streiche zu spielen. Die alte Edda, zu der sie nun wollten, kannten sie gut. So manchen Sommerabend hatte sie schon mir ihr gemeinsam verbracht, denn Edda liebte die Natur und alles was in ihr lebte. Bei einem ihrer Streifzüge durch die Natur war sie auch der Elfe Ella und ihren beiden Koboldfreunden, Sander und Filip begegnet.

Als die Drei beim Blockhaus der alten Edda am Waldrand ankamen fragte Filip: „Was wollen wir denn bei Edda anstellen?“, fragte Filip. „Moment, ich schau nach was sie gerade macht.“, wisperte Ella und flog von außen auf das Fensterbrett des geöffneten Küchenfensters. Eine Weile beobachtete sie Edda, anschließend flog sie zu den Kobolden zurück und erstattete Bericht. „Edda sitzt am Küchentisch und sortiert viele Dinge aus einer alten Schachtel!“, verkündete sie. „Und was wollen wir jetzt tun?“ Es war Sander der das fragte.


"Hmmm, keine Ahnung!" Die Drei verfielen eine Zeit ins Grübeln, um einen Plan zu schmieden. „Ich weiß was!“, rief Ella plötzlich übermütig. „Wie wäre es, wenn wir der alten Edda beim Sortieren helfen und immer drei Dinge zusammenlegen. Ein weißes, das nimmt Sander, ein blaues das nimmst du, Filip und ich besorge ein rotes Ding. Wir stellen alles immer drei Teile zusammen die wir in den drei Farben finden können. Das wird bestimmt lustig.“ „Tolle Idee!“, stimmte Sander zu. Auch Filip rief begeistert: “Au, ja! Lass uns sofort anfangen!" „Moment!“, stoppte Ella die Zwei, die sogleich losstürmen wollten. „Vorher wetten wir noch, ob Edda drauf kommt, dass wird das sind. Ich glaube, sie wird schnell wissen, wer da Schabernack mit ihr treibt!“ „Wir halten dagegen!“ sangen die Kobolde übermütig. „Gut, aber wer verliert räumt alles wieder auf!“ „Einverstanden!“ Und schon waren sie unterwegs um rote, weiße und blaue Sachen zu schichten.

Geschickt versteckten und tarnten sich die Drei und begannen die Dinge zu sortieren. Filip stellte einen blauen Teller auf die Spüle, Sander legte einen Löffel mit weißem Griff dazu und Ella ließ sanft eine rote Geranienblüte obenauf schweben. Sie fanden drei Gläser mit rotem, weißen und blauem Deckel die sie nebeneinander stellten. Im Bad türmten sie ein rotes, ein weißes und ein blaues Handtuch aufeinander. Die stolze, weißblühende Blume in ihrem blauen Topf stellten sie vor eine rote Wand. Sie stapelten Kisten und Kladden, stellten den roten Herzwecker vor eine weiße Wand auf eine blauweiße Postkarte. Zum Schluss entdeckte Ella eine rotweißblaue Spieluhr, die versteckt im Regal stand, die stellten sie mitten aufs Fensterbrett. Dank ihrer Fähigkeiten und Ellas Zaubersalz ging ihnen alles flott von der Hand.

Edda, die zunächst von all diesen Umtriebigkeiten nichts bemerkte, sortierte leise vor sich hinsummend ihren Schachtelinhalt. Erst als sie eine kleine Pause machte bemerkte sie die Veränderungen. Sie schüttelte den Kopf. „Ich muss mich besser konzentrieren.“, schalt sie sich selbst und begann die Dinge, die nicht waren wo sie hingehörten, aufzuräumen. Erst bei dem dritten oder vierten Rotblauweiß Stapel bemerkte sie die Regelmäßigkeit der Farbkombination. Sie stutzte wieder, blieb stehen und rief sich die weggeräumten Dinge in Erinnerung. Blauer Teller, Löffel mit weißem Griff, rote Geranienblüte - drei Handtücher, rot, blau, weiß -blauweiße Schachtel auf roter Kladde und jetzt die weiße Blüte im blauen Topf, vor der roten Wand. Langsam schlich sich ein breites Grinsen in ihre Mundwinkel und sie sah sich gründlich um. Roter Wecker auf blauweißer Postkarte vom Meer, rotweißer Fischkutter auf weißen Muscheln.

Sie lief ins Hinterzimmer, holte ihren Fotoapparat und begann die farbsortierten Dinge zu fotografieren. Gut, dass sie so ein Blitzdings besaß. Sie ließ sich aber nichts anmerken. Die rote Elfe und die beiden Kobolde wurden nicht müde neue Dinge zu entdecken. Wie aus dem Nichts tauchten immer neue Kombinationen auf. Wohin Edda schaute entdeckte sie rot, weiß, blau. Nachdem sie das Spiel der drei Naturgeister eine Weile mitgespielt hatte rief sie: „So, jetzt ist es aber genug! Meint ihr Drei ich wüsste nicht, wer bei mir Schabernack treibt? So fleißige Farbsortierer haben sicher Hunger bekommen von der vielen Arbeit.“ Ella und die zwei Kobolde kicherten leise, wollten sich aber nicht zeigen. Edda wartete, aber nichts geschah. „Nun gut!“, sagte sie und ging in die Küche. Kurz darauf kam sie mit einem großen blauen Teller, voll beladen mit süßen, saftigen, roten  Erdbeeren und einer Schüssel Schlagsahne wieder. „Ich habe jetzt genug sortiert und werde mir ein Päuschen gönnen. Ist noch jemand hier der gern frische Erdbeeren mit Sahne mag?“ Blitzschnell kamen die Drei aus ihren Verstecken. Ella schwebte vom roten Bilderrahmen hinunter auf dem sie gesessen hatte, Filip hüpfte vom blauen Geschirrtuch und Sander hopste vom weißen Salztopf auf den Tisch. Alle klatschen vor Begeisterung in die Hände und hüpften tanzend im Kreis herum. „Sie hat es herausgefunden. Ich habe gewonnen!“, freute sich Ella und drehte den beiden Kobolden eine lange Nase. „Was? Ihr habt auch noch gewettet? Nicht genug, dass ihr hier herumkobolzt und ich deshalb an meinem Verstand zweifle. Da wettet die Bande auch noch, ob mein Geist funktioniert.“, empörte sich Edda, allerdings schmunzelte sie dabei. Kleinlaut gab Filip zu. „Vielleicht haben wir ein bisschen zu viel sortiert.“ Edda lachte laut los: „Nein, das geht schon in Ordnung. Ich hatte ebenso viel Spaß an eurem Schabernack wie ihr. Zum ersten Mal fiel mir auf welche Dinge alle rot, blau oder weiß sind. Dank euch habe ich viele schöne, bunte Fotos. Aber nun lasst euch die Erdbeeren schmecken und danach räumen wir gemeinsam wieder auf.“

Für Streiche auch noch belohnt werden, das mögen Kobolde. Die Vier lachten und schwatzen und erzählten auch später noch oft von diesem herrlich lustigen Rot-blau-weißen-Koboldstreich.

Der rot-blau-weiße Schabernack

Veröffentlicht in Wortwolken, fairy tale

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D
Ich habe den Buchfeen Deine Geschichte heute Morgen laut vorgelesen und Siri und Selma waren begeistert. Jetzt sind sie bei den Fayries in den Garten und bedauern sehr, dass Deine Elfen nicht hier<br /> sind. Wirklich schön gemacht!<br /> Liebe Grüße<br /> Dina und Co
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S
<br /> <br /> Danke schön. <br /> <br /> <br /> Vielleicht sitzen meine Drei ja irgendwo im Garten bei den Fayries, lachen sich ins Fäustchen und stiften sie zu Schabernack<br /> an.Wenn die Rosenschere, der Bindedraht oder ähnliches plötzlich verwindet, würde ich mal genauer hingucken. *g*<br /> <br /> <br /> Fein, wenn die Geschichte den Buchfeen gefallen hat.<br /> <br /> <br /> Liebe Grüße an dich und Co, Szintilla<br /> <br /> <br /> <br />
S
Liebe Szintilla,<br /> eine zauberhafte Geschichte hast du geschrieben, die grosse Freude bereitet... wundervoll...<br /> Herzliche Sonnensonntagsgrüsse, Sichtwiese
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S
<br /> <br /> Liebe Sichtwiese,<br /> <br /> <br /> fein, wenn sie dir gefallen hat. Ich "befürchte" sie werden noch viel Schabernack betreiben diese Drei. Erst gestern habe ich den Autoschlüssel ewig gesucht, nur um ihn zu finden wo er hingehört.<br /> <br /> <br /> <br /> Liebe Grüße, Szintilla<br /> <br /> <br /> <br />