Bildung, braucht man sowas?

Veröffentlicht auf von Szintilla

Endlich weiß ich was Bildung (in) Deutschland wert ist. Wir sprechen über Delphin Sprachförderung, weil ca. jedes vierte 4-jährige Kind Sprachförderung benötigt, wir reden über Pisa Studien, bei denen wir uns im Vergleich zu anderen Staaten, nicht gerade mit Ruhm bekleckerten, wir setzen das Abitur nach 12 Jahren durch und spüren jetzt schon vorsichtiges Tasten über dessen Rücknahme, wir diskutieren über Bildungsreformen, korrigieren die Korrektur der korrigierten Form der Rechtschreibung, bis niemand mehr weiß wie was richtig geschrieben wird und gestehen per Regelsatz dem erwachsenen Hartz IV Empfänger pro Monat 1,39 € für Bildung zu. Aber es kommt noch besser Kinder bis 6 Jahre erhalten 0,98 € (Achtung! *ironie an* die sind ja noch so klein die brauchen nicht mehr *ironieausknips*), Kinder zwischen 7-14 Jahren bekommen 1,16 € Kinder und Kinder zwischen 15 und 18 Jahren 0,26 € (Achtung! *ironie an* bei denen hat es nichts gebracht, also sparen wir uns mehr Aufwand *ironieausknips*).

  

Welche Art von Bildung erhält man Monat im Monat für 1,39 (0,98 / 1,16 / 0,26 €) ?

  

Sind es zwei Bildzeitungen? Wenn man die vom Vorjahr kauft, kriegt man vielleicht drei ... *ironieausknips* Ein Mini Pixi Bilderbuch, eine Kreuzworträtselheft pro Monat?

  

Hochgerechnet auf das Jahr ergibt sich bei den Kindern zwischen 7-17Jahren eine Summe von 13,92 €. Das ist kleines Kinderbuch zu Weihnachten, auch das muss ein Jahr reichen. "Kinder, lest schön langsam!"

  

Ich halte dieses Summe für ein gutes Beispiel dafür, wie es mit der Bildung in Deutschland bestellt ist. Es ist ja auch einfacher ein dummes Volk zu regieren als Eines, dass möglicherweise selber denkt.

 

Zugegeben die Regelsätze für die Sozialschwachen sollen vorrangig das nackte Überleben sichern, und auch zugegeben Bildung hat nicht unbedingt etwas mit Geld zu tun. Dazu braucht es aber für die Kinder mindestens durchschnittlich gebildete Eltern. Wie aber sieht das in bildungsfernen Haushalten aus, in denen es schon den Eltern an Bildung fehlt? Wie soll ein solcher Haushalt Sprachunterricht finanzieren oder Nachhilfe gewährleisten. Für 1,19 € ist das kaum zu stemmen. Vielleicht reicht eine Stunde Mathenachhilfe im Jahr, wenn man eisern spart kann man sich das leisten?

  

Aber zurück zu den sozialschwachen Jugendlichen die sich dennoch bilden, vielleicht über kostenfreie Angebote der Kommunen, einen vergünstigten Büchereiausweis ... Hilft ihnen das bei der Arbeitsplatzsuche? Ich denke nein, denn dort wird auf Lebensläufe und Zeugnisse geschaut, wie bei anderen Arbeitslosen darauf geschaut wird, was sie zu ihrer eigenen Bildung innerhalb einer längeren Arbeitslosigkeit gemacht haben. So kann man also nicht pauschal sagen Politik ist außerhalb der Schule nicht für die Bildung des Einzelnen verantwortlich. Sie muss möglich gemacht werden, wie auch immer, wenn nicht über ausgezahltes Geld dann über kostenfreie Angebote, kostenlose Eintritte, Gutscheine.

  

Es ist aber eine trickreiche Geschichte dem sozialschwachen Menschen Bildung zu erschweren, um irgendwann festzustellen, der hat sich ja gar nicht gebildet, dann brauche ich dem auch für Bildung nichts zu geben. So nämlich kommt dieser "hohe Regel-Bildungssatz" zustande. Berechnet nach der absolut untersten Einkommensschicht, die gerade ebenso so daran vorbeikommt zusätzliche Hilfe zum Lebensunterhalt in Anspruch zu nehmen. Es muss aber doch allen (auch Politikern) klar sein, dass derjenige, der kaum weiß wie er alle Mäuler stopfen soll, zuletzt an einen Theater - oder Museumsbesuch denkt. Da rangiert der Bauch deutlich vor dem Geist.

  

Eine nette Negativspirale die sich in Gang gesetzt hat und an deren Ende wird was stehen?

  

Ein Volk das sich durch lauter Dummheit mit Druck und Angst gut gängeln lässt. Ist diese Politik also eine gewollte Politik oder einfach nur kurzsichtiges Spardenken? Dafür wirft man allerdings andernorts das Geld, zum Fenster hinaus, wenn ich da nur an die Bankenpolitik denke. Was hätte mit dem Geld alles für Bildung getan werdennnen. Bildung ist etwas das jedem Bürger zur Verfügung stehen muss, unabhängig von seinem Einkommen, denn die Kinder die jetzt heranwachsen sind unsere Zukunft. Wenn es so bleibt wie es ist, dann mag ich mir das Ergebnis in ein paar Jahre nicht vorstellen.

  

Es muss sich also etwas ändern und zwar schnell, heiße Luft ist lang genug geredet worden.

  

Über die Zusammensetzung der Hartz IV Regelsätze bin ich zufällig bei Tagesschau online gestoßen.

 

 

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Veröffentlicht in Aufreger

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B
<br /> Du hast sehr gut recherchiert und ich denke mir, dass du hiervon sehr viel verstehst.<br /> <br /> Das wichtigste für Kinder überhaupt ist eine gute Bildung. Eltern, die sich ebenfalls bilden (auch Herzensbildung und Vermittlung von "Werten" zählen dazu, unbedingt!) sind das beste, das einem<br /> passieren kann.<br /> <br /> Mir tun die Kinder leid, die eigentlich gar keine Chance haben, weil schon ihren Eltern Bildung nicht mehr vermittelt wurde. Und manchmal reden mein Mann und ich darüber, wie es wohl einmal sein<br /> wird, wen dann diese Kinder Kinder haben werden ?! Wir mögen es uns gar nicht vorstellen!<br /> <br /> Das wichtigste "Kapital" einer Gesellschaft sind die Kinder, dazu zähle ich natürlich auch die Jugendlichen. Und ich bewundere hier jeden, der von sich aus etwas unternimmt, um an Bildung zu<br /> kommen.<br /> <br /> Unser Staat hat ja ganz andere Sorgen, als sich um Bildung und eine entsprechende finanzielle Unterstützung dazu (ich meine hier auch, die Leute, die kein Hartz IV bekommen und im<br /> Niedriglohnbereich arbeiten müssen) zu kümmern. Das ist ja hinreichend bekannt.<br /> <br /> Wie gut und wichtig eine Förderung ganz früh sein kann, das darf ich gerade miterleben. Meinem Sohn und besonders seiner Frau, den die muss das ja auf die Reihe bekommen, ist nichts zuviel, um dem<br /> Söhnchen ein wunderbares Kinderleben mit viel Neuem zu ermöglichen. Wie gut, dass sie keinerlei finanzielle Unterstützung nötig haben!<br /> <br /> Ja, da danke ich dir, dass du dir die Arbeit für diesen, wie ich meine, sehr wichtigen Bericht gemacht hast!<br /> <br /> Einen schönen Sonntag mit einem herzlichen Gruss, Brigitte<br /> <br /> <br />
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S
<br /> <br /> Es gibt vieles worüber man sich derzeit aufregen könnte, bei dem was die Politiker am Volk vorbei regieren. Das Thema Bildung bei Kindern ist bei mir ein ganz<br /> besonderer Aufreger, weil ich tagtäglich mit Kindern arbeite die Hilfe benötigen und deren Eltern oft nicht wissen, wie sie sich diese Hilfe leisten können und sollen.Unterstützung und<br /> Hilfsangebote der Kommunen greifen meist nur, wenn Eltern ihre Kinder durch einen oft monatelang dauernden Behördenmarathon jagen, bei dem wertvolle Förderzeit verschenkt wird oder wenn sie ihre<br /> Kinder als sozial oder psychologisch gefährdet "abstempeln" lassen. Aber welches Elternteil mag diesen Weg gehen, wenn er nicht unbedingt erforderlich scheint. So fallen viele Kinder durch das<br /> Raster einer möglicherweise hilfreichen Förderung und werden von den Schule irgendwie mitgeschleift. Fakt ist, ich habe das von Hauptschülern gehört, dass in der Hauptschule in der<br /> Abschlussklasse das Ausfüllen des Hartz IV Bogens geübt wurde. Praktische Lebenshilfe!<br /> <br /> <br /> Da möchte ich schon manchmal mit der Faust auf den Tisch hauen aber es hilft ja nichts. Traurig ist das allemal.<br /> <br /> <br /> Liebe Grüße und einen sonnigen Sonntag, Szintilla<br /> <br /> <br /> <br />