Narrenzeit
Biosprit E10
Narrenzeit - am Mittwoch ist auch die fünfte Jahreszeit wieder vorbei. Ob damit allerdings auch die Narrenzeit vorbei ist wage ich zu bezweifeln. Narreteien gibt es immer wieder, überall und zu jeder Zeit.
Eine der jüngsten Narreteien heißt E10. Es tut gut zu erleben, dass so einige Bürger begriffen haben welche Macht ein Boykott haben kann, auch wenn der vermutlich nur auf Informationsmangel (- ob das Auto den neuen Sprit verträgt oder nicht) basiert.Wir essen zwar alles was man uns serviert (E516=Gips im Joghurt, Analogkäse, Klebeschinken), aber wir tanken noch lang nicht alles was angepriesen wird.
Trotzdem, der Stopp von E10 freut mich. Erstens, weil ich es sowieso nicht getankt hätte und weil (wenn es bei dem Stopp bleibt) andere Alternativen (hoffentlich bessere) für den Umweltschutz gesucht werden müssen.
E10 ist sicher kein probates Allheilmittel. Zum einen garantiert niemand, ob der höhere Ethanolgehalt nicht in einigen Jahren die Schläuche und Dichtungen der damit betankten Auto zerfressen hat, weiter sorgt der Biosprit dafür, dass sich unsere Autos zu immensen Schluckspechten entwickeln. Ein im TV ausgestrahlter Testversucht erbrachte 1 Kilometer weniger Laufleistung pro getanktem Liter Biobenzin, das entspricht bei einem Kleinwagen mit 40l Fassungsvermögen logischerweise 40 Kilometer weniger Laufleistung, soweit rechnen kann ich grad noch. Das heißt in der Konsequenz wir müssen häufiger tanken - die für den Verbraucher propagierte Ersparnis liegt dem entsprechend bei ca. nullkommanix. Zumal der Preis von Biosprit auch nicht stabil wäre, denn in Jahren mit hohen Ernteausfällen würde auch dieser Spritpreis enormen Schwankungen unterlegen sein. Auch aus der BMW Entwicklungsabteilung kommen kritische Stimmen, man befürchtet, dass durch die erhöhte Wassermenge im Motor das Öl verdünnt wird, was auch einen häufigeren Ölwechsel und einen schnelleren Motorenverschleiß zur Folge hätte. Wohin gehen die Folgekosten? Steil nach oben! Soviel zur Ersparnis des günstigen Biosprits, der natürlich so günstig erscheint, weil vorher alle anderen Benzinsorten kräftigt erhöht wurden.
Die Umwelt soll es schonen das neue Biobenzin - ich frage mich wie? Dadurch das die Industriegetreideanbaufläche zur Rohstoffgewinnung steigt? Die Prognose: bis 2020 würde sich die benötigte Fläche nahezu mehr als verdoppeln, die Ackerflächen für den üblichen Getreideanbau würden somit drastisch weniger werden, denn die Bauern werden auf das lukrativer zu verkaufenden Industriegetreide umsteigen. Folge: die Monokultur würde zunehmen, was sagen unsere Bienen dazu? "Yiepieh, lecker, überall nur Mais- und Zuckerrübenblüten!" ?
Ich sehe wenig Umweltschutz, natürlich gebe ich zu, dass das Gebiet für einen Laien (wie mich) mit durchschnittlichem Halbwissen, auf unterschiedlichen Gebieten (schließlich bin ich weder Wirtschafts- oder Umweltexperte, noch Chemiker oder Agrawissenschaftlicher), viel zu komplex ist, um alle Fakten miteinanderabzugleichen. Aber eines weiß ich mit Sicherheit, in dem Biosprit steckt eine Menge Profit, sonst wäre es nicht auf den Markt gebracht worden. Umweltschutz als gutes Verkaufsargument? Wichtig finde ich aber vorallem die Frage, wann Entscheidungsträger lernen kybernetisch zu denken? Wann werden sie endlich lernen über den Tellerrand ihrer eigenen Vorteile (Profite) hinauszudenken und begreifen, dass alles mit allem zusammenhängt und dass es keine einsame Entscheidung gibt die nur lokal begrenzt wirkt?
Diese Narretei wird uns noch eine Weile beschäftigen, bevor sie aus der Welt geschafft ist. Für die Büttenreden 2012 ist damit auch gesorgt, es ist eben alles mit allem verbunden.