Trendsetter
Wozu so eine klitzekleine Auszeit doch gut ist, denn schon wieder habe ich etwas Neues gelernt.
Ich weiß jetzt: Ich bin ein Jungsenior. Das allerdings wirft die Frage auf: Ist das nun Grund zum Jubeln oder zum Grübeln? Darauf gestoßen bin ich auf der Website der Stiftung für Zukunftsfragen, dort werden Menschen zwischen 50 und 64 Jahren als Jungsenioren klassifiziert. So weit, so gut. Zu lesen ist dort auch, dass bei Jungsenioren folgende 10 Beschäftigungen zum Topfreizeitverhalten (übrigens ein lustiges Wort dazu aber später mehr) gehören:
01) Fernsehen
02) Radio
03) zu Hause telefonieren
04) Zeitungen und Zeitschriften lesen
05) Familie
06) Partner
07) wichtige Dinge besprechen
08) Gedanken nachhängen
09) Kaffee trinken und
10) Ausschlafen
So wirklich kann ich mich mit dieser Liste als Jungsenior nicht anfreunden, zumindest nicht was die Reihenfolge betrifft.
An erster Stelle stünde bei mir das Ausschlafen, denn unausgeschlafen bin ich niemandem zumutbar.
Telefonieren und Radio würden gänzlich gestrichen, ich tu beides nie freiwillig, derweil ich über ein sehr unausgeprägtes akustisches Lernvermögen verfüge. Es geht also buchstäblich alles zu einem Ohr hinein und zum anderen wieder heraus. Telefonieren geht nur mit Notizen und dann kann ich auch gleich eine E-Mail schreiben, das spart Zeit. Zeitungen und Zeitschriften lesen, nehmen nur einen verschwindend geringen Teil der Freizeit ein, das beschränkt sich in der Regel auf das Überfliegen der Schlagzeilen der Tagespresse und gelegentlichem 'an einem Artikel hängen bleiben', sowie auf ein (nur ca. 6 x im Jahr erscheinendes) Zeitschriften Abo.
Fernsehen, zugegeben ja, dass tu ich gerne und auch relativ regelmäßig, aber dann selten ausschließlich, meist multitask, sprich, es läuft eine begleitende Tätigkeit nebenher. Es sei denn, es läuft ein Sci-Fi, Fantasy, ein Klassiker oder Blockbuster. Was von der Liste sonst übrig bleibt ist alles wichtig, wobei ich Kaffeetrinken nicht als Freizeitbeschäftgung ansehe, denn den trinke ich ständig nebenbei, er wird nicht kaffeeklatschtratschmäßig zelebriert.
In der Aufzählung vermisse ich aber das Bücherlesen, sowie das individuelle Hobby oder das Haustier?
Stirbt das alles aus? Wo ist das in der Trendforschung?
Wo ist das Fitnesstraining (nicht das ich das nötig hätte *hüstel) oder der Spaziergang, der Garten, das Freundetreffen? Fällt das unter Kaffeetrinken - im (Bier-)Garten - bei Freunden?
Wo bleibt die Kultur? Kino, Theater, Konzert, Museum, Lesungen?
Irgendwie erscheint mir das alles unvollständig, aber vielleicht wird das in der kompletten Studie aufgeklärt und näher erläutert, ich las ja nur auf der website.
Womit ich aber völlig mit dem Trendforscher Professor Dr.Ulrich Reinhardt konform gehe, ist seine Aussage, dass sich die Menschen in Zukunft bewusster zurückziehen werden und persönliche Auszeiten wieder zum Muss erhoben werden. Dass regenerative Aktivitäten wie Faulenzen, Nichtstun, Ausschlafen am Wochenende oder der Mittagsschlaf unter der Woche wieder im Trend liegen.So kann Freizeiit wieder das werden, als was es gedacht war, nämlich freie Zeit.
Als Jungsenior lag ich also goldrichtig mit meinen paar Tagen Auszeit und liege völlig im Trend.
Also von wegen Jungsenior - Trendsetter.