Achtung! Explosionsgefahr ...
Es kommt äußerst selten vor, dass mich jemand auf die Palme bringt. Aber das gestrige Telefonat hat allem die Krone aufgesetzt. Scheinbar herrscht in Verlagen das pure Chaos. Seit zweieinhalb Jahren zieht sich die Korrespondenz mit einem Verlag über ein eingereichtes Manuskript. Zuerst die üblich Prüfung, ob es in das Gesamtkonzept des Verlages passte. Es passte, man will sich wieder melden, denn das Manuskript war noch nicht ganz fertig und man wolle mir Tipps geben was noch zu verbessern sei, bevor es eine endgültige Aussage gäbe. Während ich warte schreibe ich es fertig, ändern kann ich es immer noch. Ich warte. Monatelang. Es tut sich nichts. Irgendwann mein Anruf beim Verlag, das Manuskript ist gut, augenblicklich ist nur kein freier Programmplatz vorhanden. Okay, ich warte. Es tut sich nichts, Monate später Anruf beim Verlag, die Lektorin ist in Babypause, mein Manuskript nicht aufzufinden. Man meldet sich, wenn sie wieder da ist. Ich warte und warte. Wieder ein Anruf meinerseits, Antwort: "Ist grad ganz schlecht, wir bereiten die Buchmesse vor, wir melden uns wieder!" Gut, das waren 1 1/2 Jahre Wartezeit auf ein einfaches JA oder NEIN.
Dann habe ich die Faxen dick und suche mir für mein Manuskript eine Lektoratsagentur die auch vermittelt. Die ist schnell gefunden, das Manuskript bekommt eine gute Bewertung, Vermittlungschancen groß, obwohl eine Garantie gibt es natürlich keine. Die Hoffnung aber ist groß, denn Agenturen nehmen nur etwas an, von dem sie glauben es vermitteln zu können. Schließlich bekommen sie nur Geld bei einem Vermittlungserfolg. Das Manuskript ist vertraglich für zwei Jahre in die Hände der Agentur gelegt. Das Einzige was aber an Vertragsangeboten ins Haus flattert sind bisher Verträge von Druckkostenzuschussverlagen, auf die ich mich aber nicht einlasse. Zu viel negative Erfahrungsberichte schrecken ab, ganz abgesehen von den horrenden Kosten (zwischen 1.500 - 6500€, je nach Angebotsumfang) die als Investition erst einmal aufgebracht werden wollen. Außerdem hätte ich die leicht selbst finden können.
Plötzlich eine E-Mail des ursprünglich kontaktierten Verlages, man hätte jetzt gerne mein vollständiges Manuskript. Ich verweise auf die JETZT zuständige Agentur, kontaktiere diese und gebe die Kontaktadresse des Verlags und der anfragenden Lektorin weiter und warte. Nach Wochen ohne Nachricht frage ich bei der Agentur nach. Antwort: "Der Verlag hat sich auf schriftlichen Kontakt nicht bei uns gemeldet." Ich rufe beim Verlag an, möchte die Lektorin sprechen. Die aber gibt es nicht mehr beim dem Verlag, ich frage nach dem/r neuen LektorIn und frage nach meinem Manuskript. Antwort: "Welchem Manuskript? Ist uns nicht bekannt - liegt nicht vor!" Na, toll ich könnte was zerlegen! Holzhacken wäre jetzt gut.
Ein Jahr hat die Agentur noch - mal sehen ... - ich warte.
Ist das Leben nicht zu kurz für all die Warterei?