Die Dummheit stirbt nicht aus

Veröffentlicht auf von Szintilla

Ein langes Wochenende und wir haben Zeit. Vielleicht Zeit für einen etwas längeren Blogpost. Ich habe mich entschlossen eines meiner Märchen, das schon 2015 im Sperling Verlag in der Anthologie Gruselmärchen veröffentlicht wurde,  hier zu veröffentlichen. Es geht um Dummheit, Gier und Egoismus. Aktuell arbeite ich noch an verschiedenen Illustrationen und irgendwann wird es das Märchen sicher als E-Book geben.

Weil ich das Märchen aber selbst für einen längeren Blogpost zu lang finde, habe ich ich es aufgeteilt. Heute, Sonntag und am Montag erscheint jeweils ein Teil.

Also los gehts mit

 

Tintensud und Teufelskreis

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Heute erzähle ich euch eine Geschichte aus einem fremden Land. Einem Land, dass nur einen daumenbreit hinter dem Spiegel der Realität liegt. Dort lebte der alte Schwarzmagier Marapos. Seine Haut war dünn wie Pergament, blaue Adern schimmerten durch sie hindurch. Die Augen steckten tief in ihren Höhlen. Sie waren blass und leblos und von einem grauen Schleier überzogen. Seine schütteren weißen Haare hingen zottig bis auf die Schultern hinunter. Neben ihm, auf einem alten morschen Hocker, hockte ein schwarzer Rabe, der hin und wieder krächzte. Der alte Magier war dem Tode näher als dem Leben, aber die Aussicht sein Leben noch einmal von vorn beginnen zu dürfen gab ihm Kraft für sein Machwerk. Würde er dem Teufel nur genug Seelen verschaffen, würde dieser ihm die ewige Jugend schenken, so hatte er es ihm versprochen. Also hatte der Magier Stunde um Stunde, Tag um Tag, Monat für Monat in Zauberbüchern geblättert und in Elixieren gerührt. In seiner verfallenen Hütte, tief versteckt in einem düsteren Tal zwischen den Bergen, experimentierte er bei flackerndem Kerzenlicht mit den unglaublichsten Zutaten. Einhorntränen, Echsensekret, Kupferkörner und Katzengoldpuder rührte er in zischende und brodelnde Tinkturen, bis er letztlich eine wahrlich teuflische Erfindung machte und sich damit dem Teufel verschrieb.

Endlich hatte er was er wollte. Den richtigen Tintensud für seinen Zauberstift. Ein jeder, der die Lösung eines Problems suchte, würde sie mit Hilfe dieses Stiftes finden. Das Problem musste nur in einer Frage konzentriert und ausgedrückt werden. Nahm man danach den Tintenstift zur Hand und legte die Hand auf das Papier, so übernahm der Stift die Führung der Hand. Von allein schrieb sich die Lösung auf das Papier. Mit diesem Zaubermittel versprach der alte Magier dem Teufel was dieser wollte. Der Handel wurde besiegelt, Marapos würde dem Teufel eine Menge Seelen besorgen und er bekäme im Gegenzug vom Teufel seine jugendliche Vitalität zurück. Der Teufel brauchte stetig neue Sklaven, um sein vernichtendes Höllenfeuer in Betrieb zu halten. Nur war es für den Teufel nicht leicht an genug menschliche Seelen zu kommen. Sie mussten dumm genug sein, um blind seinen Befehlen zu folgen.

Schnell sprach sich die neue Erfindung bei den Herrschenden herum und jeder, der von dem magischen Stift Kenntnis erlangte, wollte ihn unbedingt in seinen Besitz bekommen, so auch König Theoderich, als er davon hörte.

Der alte Magier wollte aber unbedingt, dass König Theoderich III. diesen Stift erhielt, denn mit Hilfe des Königs konnte er an die vielen Menschenseelen, die er dem Teufel für seine Jugend versprochen hatte, herankommen.

Der alte Magier Marapos eilte, so schnell es ihm in seinem hohen Alter möglich war, mit diebischer Freude zum König, als dieser ihn zu sich rufen ließ. "Mein lieber Marapos", begrüßte ihn der König Theoderich III., ein wohlgenährter und sehr beleibter älterer Herr, der seinen kugelrunden, bunt bewamsten Bauch vor sich her schob. "Ich hörte von deiner genialen Erfindung und ich wünsche diesen Stift auszuprobieren. Sollte die Behauptung, er würde alle Probleme lösen, stimmen, will ich diesen Zauberstift und ich werde Dich königlich entlohnen. Hält er nicht was du mir sverspricht werde ich dich in den Kerker werfen lassen." Der König war es gewohnt, dass ihm alle untertänig zu Willen waren und ebenso unterwürfig verhielt sich auch der alte Marapos. Er verneigte sich so tief vor dem König wie seine Gebrechlichkeit es zuließ, bevor er begann dem König zu antworten.

 

... wird fortgesetzt ... Teil 2 kommt morgen, klick hier.

 

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Veröffentlicht in Märchen, fairy tale, VGW

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Q
Hi, hi, bin schon gespannt, wie es weiter geht mit diesem Zauberstift, der auch in Corona-Zeiten bestimmt ein paar glühende und wundergläubige Anhänger finden könnte... :--)<br /> Lieben Gruss,<br /> Brigitte
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S
So ein Zauberstift wäre sicher oft hilfreich, aber - wie du lesen wirst - ist er mit Vorsicht zu genießen. ;-)<br /> <br /> Mein Problem wäre heute: Wie schiebe ich die dicken Wolken beiseite? :-)<br /> <br /> Liebe Grüße<br /> Szintilla